1. Brandenburgisches Konzert (F-Dur, BWV 1O46)
Dieses freudig-beschwingte Konzert ist 1718 und früher entstanden. Es ist für zwei Hörner, drei Oboen, Fagott, Violine, Streicher und Continuo geschrieben - eine, wie es scheint, höchst ungewöhnliche Zusammenstellung von Instrumenten, die jedoch bei Vivaldi (mit zwei statt drei Oboen) in nicht weniger als vier Konzerten vorkommt (RV 568, 569, 571, 574). Die Violine ist hier bei Bach ein Violino piccolo (kleine Violine). Die Saiten dieses Instruments waren gewöhnlich eine Quarte höher gestimmt als die einer normalen Geige. In diesem Konzert jedoch benutzte der Komponist die um eine kleine Terz höher gestimmte Terzgeige.Einzigartig ist der Aufbau dieses Werks. Es scheint, dass Bach an die üblichen drei Sätze noch ein Menuett im französischen Stil angefügt habe. In Wirklichkeit ist aber die Entstehungsgeschichte viel komplizierter. Zur Frühfassung (BWV 1046a), ohne Violino piccolo, gehörten nur die ersten beiden Sätze und das Menuett, dieses ohne die Streicher-Polonaise, die in der späteren Fassung als zweites Trio erscheint. Dieses Werk bezeichnete Bach dann als "Sinfonia". Es wird vermutet, dass diese "Sinfonia" zur "Jagdkantate" (BWV 208, entstanden 1713) gehörte. Die Violino-piccolo-Stimme wurde vermutlich gleichzeitig mit dem heutigen dritten Satz und der Polonaise im Menuett hinzukomponiert. Das neue Allegro mit dem bedeutsamen Violino-piccolo-Part macht das Werk konzerthafter.Der erste Satz (alla breve) führt die Soloinstrumente in lebendigem Wechsel verschiedenartiger Kombinationen mit dem Tutti zusammen. Ein fröhlicher, musikantischer Grundton herrscht vor. Das Hauptthema mit signalartiger Dreiklangsmelodik der Violine legt den Grundgestus fest. Kontrapunktisch stellen diesem die 2. Oboe ein munteres und die 1. Oboe ein melodisches Seitenthema entgegen.Der zweite Satz (Adagio, d-Moll, 3/4, ohne Hörner) ist von ernster Grundhaltung. Oboe und dann Violino piccolo intonieren einen schmerzlichen Gesang, der im Bass drohend fortgeführt wird. Violino piccolo und Oboe führen die Melodik kanonisch weiter. Eine kleine Kadenz der Oboe leitet in die Schlusstakte über, die harmonisch im A-Dur-Klang die Dominante fixieren. Dies gibt ein zusätzliches Spannungsfeld.Der dritte Satz (Allegro, F-Dur, 6/8) ist tänzerisch akzentuiert und hat Giguecharakter.Als Schlussgruppe folgen ausgesprochen fröhliche Tanzsätze: Menuett (F-Dur, volle Besetzung), Trio (d-Moll, 2 Oboen, Fagott), Menuettwiederholung, Polonaise (F-Dur, nur Streicher), Menuett (volle Besetzung), Trio (F-Dur, Hörner und Oboen) und Menuettwiederholung.
2. Brandenburgisches Konzert (F-Dur, BWV 1047)
Im zweiten Konzert besteht die Sologruppe aus Trompete, Blockflöte, Oboe und Violine. In Aufführungen mit modernen Instrumenten nimmt die F-Trompete mit ihrer brillanten, hohen Stimmführung (bis zum dreigestrichenen f) eine beherrschende aber auch faszinierende Rolle ein. Oft wird kritisiert, dass Bach hier eine zu heterogene Ansammlung von Instrumenten in einem Konzert miteinander spielen lasse. In diesem Fall aber versteht man Bachs Instrumentationsabsichten falsch. Klanggleichgewicht und Klangverschmelzung - im Gegensatz zu anderen Komponis-ten des 18. und 19. Jahrhunderts - waren nicht sein Ziel. Im vollen Bewusstsein, dass die geringe Mixturfähigkeit zu einer erhöhten Farbigkeit seiner Musik beitragen werde (man denke da auch an seine ungewöhnlichen Orgelregistrierungen), muss er diese Instrumente ausgewählt haben. Im ersten Satz (alla breve) wird den klanglich so unterschiedlichen Soloinstrumenten ein spielerisch-fröhliches Grundmotiv zugeteilt. Dieses tritt mit immer neuer Farbgebung auf und korrespondiert reizvoll zum energischen Tuttithema.Der zweite Satz (Andante, d-Moll, 3/4) ist ein imitatorischer Dreigesang voll inniger Melodik für die Soloinstrumente Flöte, Oboe, Violine und Generalbass.Im dritten Satz (Allegro assai, F-Dur, 2/4) - als freie Fuge gestaltet - haben die Streicher nur begleitende Funktion. Die Trompete intoniert ein keck herausforderndes Thema, das dann die anderen Soloinstrumente übernehmen.
3. Brandenburgisches Konzert (G-Dur, BWV 1048)
Dieses heute meistgespielte Brandenburgische Konzert ist ganz anderer Art. Geschrieben ist es für neun Streicher (drei Violinen, drei Bratschen, drei Violoncelli) und Basso continuo. Durch die nach Klanghöhe geordneten Gruppen erhält der Komponist die Möglichkeit eines alle Teile motivisch eng miteinander verknüpfenden polyphonen Musizierens.Der erste Satz (alla breve) ist ein Wunderwerk musikalischer Arbeit. Reguläre Soli und Tutti kennt der Satz nicht, vielmehr mischt er venezianische Dreichörigkeit mit Soli. Der Grundrhythmus, ein Wechsel von zwei Sechzehnteln und einem Achtel, bestimmt den ganzen Satz. Hier haben wir die thematische Arbeit der Klassiker bereits in Reinkultur. - Dem vitalen ersten Satz folgte ursprünglich kein langsamer Satz. An seiner Stelle stehen nur zwei, nach der damaligen Praxis kadenzierend auszuführende Adagioakkorde. In der hier vorliegenden Einspielung aber wird der langsame Satz aus der Triosonate für Violine, Violoncello und Cembalo (BWV1021, e-Moll) als berleitung zum Schlussatz (Allegro, 12/8) eingefügt. Dieser ist in Form einer Gigue gestaltet, deren feurige Sechzehntelpassagen den Satz von Anfang bis Ende durchpulsen.
4. Brandenburgisches Konzert (G-Dur BWV 1049)
Dieses Konzert ist auf durchsichtigen, zarten Klang gestellt. In der Sologruppe gehören die beiden Blockflöten zusammen und stehen dem virtuos angelegten Violinpart gegenüber. Auch hier wird keine steife Abwechslung von Soli und Tutti gebracht. Alles ist durch kontrapunktische Arbeit aufgelockert.Der erste Satz (Allegro, 3/8) wird von den beiden Flöten im wiegenden Dreiertakt eröffnet. Im Mittelabschnitt dominiert die Solovioline. Der Schlussteil ist eine Wiederholung des ersten.Als zweiter Satz (e-Moll, 3/4) folgt ein ernstes Andante. Sologruppe und Tutti musizieren gemeinsam. Eine kleine Kadenz der 1. Flöte führt in die Schlussakkorde. Der Satz endet auf der Dominante (H-Dur).Das Fugenthema des dritten Satzes (Presto, alla breve) hat einen heiteren Charakter. Zwischen die Fugenteile sind Intermezzi der Soloinstrumente, die das Thema konzertierend durchführen, eingefügt.
5. Brandenburgisches Konzert (D-Dur, BWV 1050)
In der Sologruppe dieses Werkes (Flöte, Violine und Cembalo) tritt das Cembalo brillant konzertierend hervor. Fast möchte man von einem Cembalokonzert sprechen.Der erste Satz (Allegro, alla breve) ist durch enge Verzahnung von Tutti und Soli charakterisiert. Dieses "Ineinanderweben" von Soloinstrumenten und Streichorches-ter ergibt ein Klangspiel von überwältigender Schönheit. Das Auffallendste dieses Satzes ist aber die 65taktige virtuose Kadenz des Cembalo. Das grosse Solo des Cembalo entwickelt noch einmal das Hauptthema, um dann mit einem langen Orgelpunkt und einer Kadenz zu einem kurzen Tuttiabschluss des Satzes zu führen.Im zweiten Satz (Affetuoso, h-Moll, 4/4) herrscht eine empfindsame, zärtliche Stimmung. Es ist ein kanonisches Terzett der Soloinstrumente, untermalt von der Bassstimme.Der dritte Satz (Allegro, 2/4), wiederum eine Fuge, deren Thema hier einen ausgeprägten Giguecharakter zeigt, macht deutlich, wie Bach mit diesem "Kunstgriff" eine strenge Form in eine heitere, unbeschwerte zu verwandeln weiss. Sologruppe und Tutti wirken wieder eng zusammen. Bedeutend ist ein stark kontrastierender h-Moll-Mittelteil mit einem kantablen zweiten Thema, das jedoch "nur" eine Umformung des Fugenthemas ist.
6. Brandenburgisches Konzert (B-Dur, BWV 1051)
Die eigentümlichste Besetzung hat wohl dieses Konzert. Die hohen Stimmen fehlen ganz. Dies ergibt eine dunkle, verhaltene Klangfarbe. Die Besetzung (zwei Solobratschen, zwei Gamben, Violoncello, Kontrabass und Continuo-Cembalo) ist zwar vielleicht archaisch, aber genau auf die Köthener Aufführungsverhältnisse zugeschnitten, möglicherweise auf eine speziell kleine Besetzung, wie sie Fürst Leopold auf seine Karlsbad-Reisen mitnahm. Die Gambenstimmen sind anspruchslos und wahrscheinlich für Fürst Leopold und Christian Ferdinand Abel komponiert worden. Das Playaden-Ensemble setzt für die beiden Gamben eine Bratsche und ein Violoncello ein. Zusammen mit dem Kontrabass und dem Cembalo bilden die Gamben die Gruppe der begleitenden Instrumente, während die Bratschen und das Violoncello zur Sologruppe werden. Bach übernahm in diesem Konzert selber sein Lieblingsinstrument, die Bratsche.Im ersten Satz (alla breve) wechseln Tutti - und Soloabschnitte einander ständig ab. Es ist ein Kanon von dichtester Einsatzfolge der beiden Solobratschen in gelöst heiterer Thematik.Im zweiten Satz (Adagio ma non tanto, Es-Dur, 3/2) tragen die beiden Solobratschen eine feierliche Meditation in einem imitierenden Duett vor. Sie werden vom Violoncello und der Continuogruppe unterstützt und belebt. Zum Schluss beteiligen sich diese auch noch imitierend.Diesem elegischen Mittelsatz folgt ein heiteres, unbeschwertes Finale (Allegro,12/8) In diesem, nach dem Schema A - B - A ausgelegten Satz im Giguecharakter brillieren Solobratschen und Violoncello mit virtuosem Figurenwerk. Einen wirkungsvollen Kontrast bildet der Moll-Mittelteil.
Violinkonzert a-Moll BWV 1041
Dieses Werk mit seinem strengen, energischen Charakter entstand 1720. Besonders deutlich zeigt sich dieser im kraftvollen, auftaktigen Kopfmotiv des 1. Satzes (Allegro, 2/4), dem der Bass rhythmisch akzentuiert antwortet. Nach dem 24taktigen Eingangstutti greift der Solist dieses Kopfmotiv sogleich in variierter Form auf und entwickelt es weiter. Wie die Soli unterbrochen sind von Tuttieinwürfen, so dehnt Bach die Tutti durch Solieinwürfe. Die so entstehende Verschmelzung von Tutti und Soli steht in der Literatur einzig da. Diese grossartige und geniale Formgebung entbehrt freilich der grossen Plastik des italienischen Konzertes, sie ist mehr kammermusikalisch, intimer.Auch der zweite Satz (Andante, C-Dur, 4/4) ist eine erlesene Köstlichkeit: ein lang gesponnener Dialog zwischen dem Violoncello und der Solovioline. Beide lösen sich sowohl voneinander ab, wie sie sich auch kontrapunktisch verschmelzen.Der Finalsatz (Allegro assai, a-Moll, 9/8) hat den Charakter einer Gigue. Achtelbewegung herrscht vor, dadurch wirkt der Satz schwungvoll und feurig. Eine Steigerung - auch im Figurenwerk - führt im Mittelteil zu einem kadenzartigen Abschluss auf der Dominante. Im letzten Soloteil erhält die Violine dann nochmals besonders virtuose Aufgaben.
Violinkonzert E-Dur BWV 1042
Auch dieses Konzert ist in Köthen (1720) entstanden und repräsentiert neben dem eher strengen a-Moll-Konzert Bachs festliche, lebendige und volkstümliche Musizierhaltung.Im ersten Satz (Allegro, alla breve) wird der Charakter des Konzertes gleich im ersten Takt fixiert. Ein Orchestertutti stellt ihn vor. Das Thema - bestehend aus zwei Abschnitten - beginnt mit dem E-Dur-Dreiklang. Tänzerisch beschwingt wird dann im zweiten Abschnitt des Themas diese Dreiklangsmelodik aufgelöst.Der zweite Satz (Adagio, cis-Moll, 3/4), ähnlich gearbeitet wie der Mittelsatz des a-Moll-Konzertes, ist eine innige und klagende Melodie über einem Basso ostinato. Hier entfaltet sich die Solopartie der Violine in einer weit ausschwingenden Kantilene. - Das Rondofinale (E-Dur, 3/8) mit seiner wahrhaft dionysischen Lebensfreude hebt sich stark vom Mittelsatz ab. Schwungvoll und freudig wechseln Tuttirefrain und Solovioline ab. Ein letztes Solo bringt durch eine beträchtliche Erweiterung und betonte Virtuosität eine wirkungsvolle Schlussteigerung in dieses Werk.
Konzert für zwei Violinen, d-Moll BWV 1043
Das zu den meistgespielten Bachschen Konzerten gehörende Werk entstand 1718 in Köthen. Es ist - wie auch die beiden Violinkonzerte - eine Originalwerk Bachs. Es wurde später von Bach zu einem Konzert für zwei Cembali (BWV 1062) umgearbeitet und nach c-Moll transponiert.Der erste Satz (Vivace, alla breve) wird durch ein schwungvolles Fugenthema durch die 2. Violinen eröffnet. Klangliche Verstärkung und Ausdrucksvertiefung bringen dann die 1. Violinen. Mit einem strengen Oktavkanon in weiten Achtel-Intervallsprüngen mit anschliessender Sechzehntelpassage setzen dann die Soloviolinen ein und duettieren über den ganzen Satz. Nur an wenigen Stellen tritt das Orchester mit wesentlichen Motiven hervor.Der zweite Satz (Largo ma non tanto, F-Dur,12/8) gehört zu den herrlichsten langsamen Sätzen überhaupt. Von Anfang an dominieren die beiden Soloviolinen, zunächst im Quintkanon. Das Duettieren beinhaltet eine Fülle tiefster Gedanken, Nachahmungen und ineinander verschlungener Figurationen - ein wahres Liebesduett.Der Schlusssatz (Allegro, 3/4) setzt wiederum kräftigere Akzente. Tutti und Soli sind eng miteinander verzahnt. Neben das energische Hauptthema treten zwei besinnlichere Nebenthemen. Gleich zweimal erhält der Satz noch dynamische Höhepunkte, wenn die beiden Soloviolinen in Doppelgriffen ein majestätisches Akkordspiel intonieren.
Cembalokonzert A-Dur BWV 1055
Dieses Konzert geht vermutlich (wie das E-Dur-Konzert, BWV 1053) auf ein Bachsches Konzert für Oboe d'amore zurück. Die Gesamthaltung dieses Werkes wird von freundlich heller Farbigkeit und von bezaubernder rhythmischer Eleganz bestimmt, wie sie sich sogleich im Thema des ersten Satzes (Allegro, 4/4 ) offenbart. Dieses rhythmische Motiv erscheint immer wieder, auch in der Umkehrung.Der zweite Satz (Larghetto, fis-Moll, 12/8), eine Siciliana, entwickelt sich als melodisch weit ausschwingender, sanfter Klagegesang.Das Finale (Allegro ma non tanto) bildet hierzu mit seiner virtuosen Melodik einen wirkungsvollen Kontrast.
Konzert für zwei Cembali c-Moll BWV 1060
Konzerte für zwei und mehr Cembali wurden von Bach sicher auch für das gemeinsame Musizieren mit seinen Söhnen geschrieben. Ähnlich wie das bei der Betrachtung der Violinkonzerte festgestellt wurde, wird hier das Nebeneinander von Tutti und Soli vertieft durch die kontrapunktische Verschmelzung beider Teile.Im ersten Satz (Allegro, 4/4) führt das 1. Cembalo mit energisch virtuosem Spiel. Das 2. Cembalo tritt klanglich ergänzend hinzu.Im zweiten Satz (Adagio, Es-Dur, 12/8) findet ein herrlicher Dialog der Solisten in einem fugierten Nach- und Miteinander statt. Eine besondere klangliche Wirkung erzielt Bach dadurch, dass er die Streicher zunächst pizzicato begleiten lässt. Auf dem Höhepunkt der Entwicklung rückt das Spiel der Solisten dann in ein ganz neues, poetisches Licht, wenn die oberen Tuttistimmen dazu Septakkorde halten.Der letzte Satz (Allegro, 2/4) ist wieder spielfreudig und virtuos.